Unbekanntes Kenia – Kamelrennen und Kulturfest in Samburu

An welche Tiere denkst du, wenn du an Kenia denkst? Löwen? Elefanten? Zebras? Ja, die gibt’s natürlich auch in Kenia. Aber wusstest du, dass es auch Kamele gibt? Also ich hätte die eher in der Sahara eingeordnet.

Als ich längere Zeit in der Region Samburu verbracht habe, wurde mir erzählt, dass es nicht nur Ziegen- und Kuhhüter gibt, sondern auch Kamelzüchter. Und die Kamele sind dort richtig was wert.

Zum Beispiel ist es bei Samburu-Hochzeiten immer noch der Brauch, den Eltern der Braut, Tiere zu schenken – Kamele sind mit Abstand am meisten Wert.

Kamelrennen in Kenia

Ein Mal im Jahr an einem Wochenende im August findet sogar ein Festival zu Ehren der Kamele in Maralal statt. Die Stadt Maralal liegt ca. 300 km nördlich von Nairobi und ist Teil der Region Samburu.

Ich hatte das Glück das Camel Derby live zu erleben – es ist ein Erlebnis. Tage vorher kommen die Jockeys mit ihren Kamelen landesweit für das dreitägige Event angereist. An einem der Tage dürfen sogar Touristen bzw. Amateure am Rennen teilnehmen. Viel Mut braucht man schon, um auf das Tier zu steigen und es kilometerweit zu reiten, ohne runterzufallen. Die Profis reiten sogar 42 km durch das meist karge Hochland.

Maralal_Samburu

Die Kamele werde startklar gemacht

Besucher_Kamelrennen_Kenia

Die Besucher warten, dass es losgeht

besucher camel derby

An der Startbahn

kenia_Kamel_rennen

und los geht’s!

 

kamel rennen

Amateure auf Kameln

Allerdings muss ich dazusagen, dass die Tiere schon manchmal ganz schön gestriezt werden, wenn sie aufmocken – unschön.

Samburu Krieger

Samburus beobachten das Kamelrennen

Das Fest drumherum

Der für mich viel schönere und interessantere Teil des Camel Derbys ist das Treiben drumherum. Die Einwohner aus sämtlichen umliegenden Dörfern kommen mit der ganzen Familie zu Besuch und genießen den Jahrmarkt. Es gibt zig Verkaufsstände mit Souvenirs, kenianisches Essen und Schaustellern wie auf einem Jahrmarkt. Für Kinder gibt es ein Karussell,  Planschbecken und Hüpfburg zum Austoben.

DSC_0220

camel derby planschbecken

Kulturelle Zeremonien

Mein persönliches Highlight des Camel Derby hat gar nichts mit den Kamelen zu tun. Es sind tradionelle Tanz-und Gesangsaufführungen der Einheimischen. Diese in traditionellen Gewändern und Schmuck zu sehen, ist grandios. Es gibt auch eine Art „Showfläche“ wo man traditionelle Lehmhütten der verschiedenen Stämme der Region besuchen kann, und es wird Kunsthandwerk ausgestellt. Stämme, die normalerweise sich anfeinden, kommen zu diesem kulturellen Event zusammen und feiern friedlich.

tradionelle Hütte

Ausstellung von Kunsthandwerk

Ich hatte das Glück, Teil mehrerer Zeremonien zu sein und die traditionellen Rituale einer Hochzeit des Stammes Turkana mitzuerleben Das Hochzeitspaar wurde wohl finanziell unterstützt, sodass sie die Hochzeitszeremonie öffentlich machten. Als Europäer versteht man oftmals garnicht die Rituale, aber allein die Zeromie zu beobachten, ist einmalig.

Kenia_Ritual

Tanz und Gesang

Zeremonie_Samburu

Zeremonien während des Camel Derbys

Kenia_Samburu

zwei ältere Herren unterhalten sich

traditioneller tanz

Tanz mit dem Turkana-Brautpaar

ich_Turkana_Frauen

Maralal International Camel Derby

Wer gerade  in Kenia ist, sollte das Maralal International Camel Derby vom 25. bis 28. August 2016 nicht verpassen. Hotels und Unterkünfte gibt’s vor Ort, Camping ist auch möglich. Wer mehr Informationen möchte oder einen Guide sucht oder sogar mal bei einem Samburu einen Tag zu Hause verbringen möchte, ich kann euch gerne Tipps geben.

Meine abenteuerliche Einreise nach Kenia

Unterschätze niemals Afrika!

Vom Frankfurter Flughafen gings direkt auf die Insel Sansibar, um dort in den Flieger nach Nairobi, Kenia zu steigen. Hört sich einfach an – aber unterschätze niemals Afrika!

Flughafen Sansibar

Angekommen am sehr überschaubaren Flughafen auf Sansibar, wollte der Offizier erstmal, dass ich das Visum zur Einreise bezahle. Ich habe mich geweigert. Er schaute mich an, als wäre ich direkt vom Mond. Dass jemand einfach nur in den Transitbereich möchte, um die Airline zu wechseln, scheint hier noch nie vorgekommen zu sein. Nur wohin mit mir? Nach etlichen Diskussionen, musste ich dann weder die Gebühr abdrücken noch offiziell einreisen. Kurzerhand sollte ich mein Gepäck holen und ihm durch eine Hintertür folgen. Plötzlich waren wir in der Halle, wo die Gepäckwagen stehen, laufen durch die Lagerhalle, nehmen die nächste Hintertür und schwups sind wir in der Abflughalle. African Style um Sachen zu regeln!

Digitale Anzeigen, die über aktuelle Abflüge und Ankünfte ausklären, gibts es nicht. Eine Tafel, wo die Flüge vom Vortag (!) mit Kreide draufgekritzelt sind, muss reichen. Gepäck wird auch mit altmodischen Waagen gewogen, wie bei uns vor dem digitalen Zeitalter – aber funktioniert.

Um zum Flieger zu kommen, muss ich nur geschwind ausreisen. Wäre da nicht das Problem, dass der Beamte beim Einreiseschalter alle Seiten meines Passes durchblättert und vergeblich nach einem Einreisestempel für Sansibar sucht. Ich muss mich erklären, dass ich kein Visum habe. Verwirrung total. Mal wieder! Absolute Hilflosigkeit. Der Beamte bespricht sich mit seinem Kollegen, gibt mir den Pass zurück und lässt mich kommentarlos in den offiziellen Abflugbereich. Es geht doch!

Nach den chaotischen Morgenstunden wurde ich mit dem Kenya Airways-Flug von Sansibar nach Nairobi entschädigt. Zuerst die Aussicht über den Sansibar Archipel auf dem Weg nach Tansania. Vogelperspektive deluxe.

Inseln

Wenige Minuten später dann der atemberaubende Ausblick über die schneebedeckte Spitze des Kilimanscharo – Afrika’s höchsten Berg!

Kilimandscharo

Kenia Airways Kiliamandscharo

Am Flughafen Nairobi geht dann erstaunlicherweise alles reibungslos. Was ein Tag! Hakuna Matata – alles ist gut.

Willkommen in Afrika!