Grenzüberschreitende Erfahrungen – Eine Zugreise von Tansania nach Sambia

Eine angenehme Art des langsamen Reisens ….oder wie ich gelernt habe, geduldig zu sein…

Hättest du mich vor einigen Monaten gefragt, ob ich mir vorstellen kann, in Afrika mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen, hätte ich mit dem Kopf geschüttelt und mich über die komische Frage gewundert. Gibt’s da überhaupt Busse und Züge? Ist das nicht gefährlich? Hat man da einen Sitzplatz oder muss man stehen? Und warum sollte ich mir das antun?

bahn tazara Tansania Sambia

Zug fahren in Afrika

Nach einiger Internetrecherche habe ich einen Bericht über die einmalige Zugstrecke von Tansania bis nach Sambia gelesen, die mit dem TAZARA (TAZARA steht für Tansania-Zamibia-Railway Authority) zurückgelegt wird. Die Strecke von Dar-es-Salaam, Tansania zur Endstation Kapiri Mposhi in Sambia beträgt 1860 km und wird innerhalb von drei Tagen, je nachdem wie oft (unplanmäßig ;-)) gehalten wird, zurückgelegt. Die Reise mit dem Zug hörte sich abenteuerlich und nach einer willkommenen Abwechslung nach den ruckeligen Busfahrten an.

Bahnhof tazara

Bahnhof Dar-es-Salaam, es kann losgehen

Bahnhof Afrika

Menschen auf den Gleisen während einer Pause

Das Abenteuer beginnt schon vor der Fahrt

Das Abenteuer fängt schon vor der Zugfahrt an. Es gibt keine Online Tickets zu kaufen, geschweige denn eine übersichtliche Homepage von TAZARA. Am besten geht man persönlich zum TAZARA-Bahnhof in Dar-es-Salaam, um sich das Erste-Klasse-Ticket zu reservieren. Erste Klasse heißt in dem Fall, dass man ein ordentliches Bett in einem Vierer-Kompartment bekommt. Die Reservierungen werden auf einem Zettel notiert, Computer benötigt man nicht in Tansania…und es funktioniert erstaunlich gut!

Fahrtkarte_Tazara_Karte_Tansania

die Fahrkarte

Das Ticket ist eine dickeres Pappkärtchen mit handgeschriebenen Zahlen, die auf Wagon und Abteil hinweisen.

Der Zug fährt nur dienstags und freitags in Dar-es-Salaam ab. In den 1970ern mit Hilfe der Chinesen gebaut, mein “Express”-Zug sah so aus, als hätte sich auch seitdem nichts gravierendes verändert. Grauer Strahl, einfache Innenausstattung und ein Wagon mit Essensabteil. Jetzt kann ich sagen, ich habe mir ein Erste-Klasse-Ticket gegönnt – nur in der Ersten Klasse gibt’s angenehme Betten und etwas Platz im Abteil. In der zweiten Klasse quetschen sich sechs Personen ins Kompartment, dritte Klasse heißt Sitzplatz, umgeben von Einheimischen, vielen Kindern und viel Gepäck.

Abfahrt in Tansania

Super pünktlich verließen wir Dar-es-Salaam um 15.50 Uhr. Die ersten Stunden vergingen wie im Flug. Schnell hatte ich mich an mein neues Zuhause für die nächsten Tage gewöhnt und meine Reisepartnerin und ich lernten noch andere internationale Reisende kennen. Einheimische sind aus Kostengründen eher in der zweiten und dritten Klasse unterwegs.

Als es abends dunkel wurde, wurde Essen in der Ersten Klasse und im Restaurant serviert. Nach vier Stunden Fahrt, stoppte der Zug ein Weilchen im Nichts, ohne Ansage, ohne Auskunft, wann es weitergehen könnte, einfach nur warten. Im Nachhinein stellte sich raus, dass wir wohl die ganze Nacht auf einen entgegenkommenden Zug gewartet haben. Schlafen ohne Gerüttel und Fahrgeräusche ging wunderbar!

 

Atemberaubende Landschaft

Die Landschaft auf dem 1860 Kilometer langen Fahrt änderte sich von saftig-grünen Feldern mit Palmen zu trockenen, braunen Gegenden, die an die Massai-Steppe erinnern bis hin zu zugewachsenen Wäldern.

Ich erlebte laute, volle Bahnhöfe mit vielen Einheimischen, die alles von warmen Mahlzeiten (besipielsweise getrockneten Fisch), kühlen Getränken bis hin zu Socken alles verkaufen. Dann wieder kleine, fast menschenleere Bahnhöfen im Nirgendwo, wo man traditionelle Rundhäuser in den ländlichen Gegenden sah. Frauen mit Eimer voller Wasser auf dem Kopf, Feldarbeiter in der Hitze, Kinder, die dem Zug hinterher rannten und nach uns schrien.

Landschaft Tansania sambia

landscape  africa

Fenster Zug TAZARA

Die Kunst, gelassen zu sein

Lange Pausen an den Bahnhöfen. Zehn Minuten, eine Stunde, sechs Stunden. Unvorhersehbar. Die Zeit verging ganz gut, indem ich meinen Kopf auf dem Fenster hielt und das Treiben auf den Bahnhöfen anschaute, mich mit internationalen Reisenden und Einheimischen (viele Einwohner Sambias sprechen sehr gutes Englisch) unterhielt, Podcasts hörte, mein Buch laß, träumte, im Abteil herumlief, aß und schlief. Und das ganze dann von vorne.

Irgendwann hatte ich dann auch begriffen, dass es keinen Sinn macht, von den unvorhersehbaren, scheinbar Endlosstops genervt zu sein. Es machte irgendwann keinen Unterschied mehr, ob wir nach 50 oder 60 Stunden in Sambia ankommen. Ich hatte ja sowieso keinen Einfluss darauf. This is Africa. Stress gibt es hier nicht. Als ich dann die Situation einfach mal so angenommen habe, war ich auf einmal relaxt und genoß die Internet- und stressfreie Zeit, in dem ich einfach die vorbei rauschenden Landschaften bewunderte.

Makambako train station Tanzania

Stop in Makamboko

Bahnhof Afrika Tazara

Typisches Treiben am Bahnhof

Landschaft Zug Tazara

der Zug schlängelt sich durch abgelegende Gegenden….

Was sind schon 65 Stunden?

Nach etwa unglaublichen 65 (!!) Stunden kamen wir dann schlussendlich in New Kaipiri Mposhi an, eine Stadt im Nordwesten Sambias, drei Tage nach unserer Abfahrt in Dar-es-Salaam.

Es war eine wunderbare Erfahrung, die ländlichen Gebiete Tansania und Sambias zu sehen, eine angenehme Art des langsamen Reisens. Anstrengend und unvorhersehbar, und genauso faszinierend und einmalige Art in Afrika unterwegs zu sein.

Zugfahrt Afrika

Züge Afrika

Tanzania Sambia train ride

Noch mehr Tipps für deine Zugreise:

  • Das Erste-Klasse-Ticket von Dar-es-Salaam nach New Kairiri Mposhi kostet 104.000 TSH (Stand Ende 2015), das sind ca 50 Euro. Ich empfehle dir am besten das Ticket im Voraus am Bahnschalter in Dar-es-Salaam zu sichern
  • Ein einfaches Touristenvisa bekommst du im Zug bzw. die Grenzbeamten kommen ins Abteil
  • Von New Kaipiri Mpsohi kann man mit dem Bus nach Lusaka fahren, die Straßen sind echt gut in Schuss. Von Lusaka fahren Busse zu den Victoria Fällen bzw. nach Livingstone
  • Essen und Trinken gibt es im Zug zu kaufen, ist allerdings recht einfältig. Ratsam ist es vorher Früchte und Kekse zu kaufen
  • Es gibt keine Steckdosen, lade deine elektronischen Geräte vor der langen Fahrt auf oder bringe eine Powerbank
  • Um die lange Fahrt zu überbrücken, halte dich auf Trapp mit Büchern, Musik, Podcasts und Rätselzeitschriften

 

Genieß die einmalige Zugfahrt! Entspann dich und lerne geduldig zu sein!

sunset africa train